Kurbelradio für den Stromausfall: das letzte Gerät, das noch sendet
- Sam
- Survival , Survival ausrüstung
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Inhaltsverzeichnis
Am zweiten Tag ohne Strom ist das Handy leer. Die Warn-App hätte ohnehin nichts mehr angezeigt, weil der Mobilfunkmast an derselben Leitung hängt wie deine Wohnung. Der Router ist seit Stunden dunkel. Und irgendwo da draußen gibt es Informationen darüber, wie lange das noch dauert – du bekommst sie nur nicht.
Genau für diese Lücke gibt es ein Gerät, das seit Jahrzehnten dasselbe tut und in jeder amtlichen Empfehlung steht. Dieser Artikel erklärt, warum das Radio der letzte funktionierende Kanal ist, worin sich Notfallradios tatsächlich unterscheiden und welche zwei Geräte den Zweck erfüllen.
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Kurzantwort: mehrere Energiequellen, beide Empfangsarten
Ein Notfallradio taugt nicht wegen seines Klangs, sondern wegen seiner Unabhängigkeit. Zwei Dinge entscheiden: Es sollte sich auf mehr als einem Weg mit Energie versorgen lassen – Kurbel, Solar, Batterie, USB – und sowohl UKW als auch DAB+ empfangen. Alles andere ist Ausstattung.
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Warum ausgerechnet Radio
Zur Warnung der Bevölkerung nutzen die Behörden einen Warnmittelmix: die Warn-Apps NINA, KATWARN und BIWAPP, Cell Broadcast, Rundfunk- und Fernsehsender, Onlinedienste, digitale Anzeigetafeln und Verkehrsbetriebe – angebunden an das Modulare Warnsystem MoWaS. Auch Sirenen werden künftig daran angeschlossen. – Landeshauptstadt Potsdam zum Warnmix
Dieser Mix ist als Absicherung gedacht: Fällt ein Kanal aus, tragen die anderen. Bei einem großflächigen Stromausfall fallen sie allerdings nicht zufällig aus, sondern der Reihe nach und aus demselben Grund.
Zuerst gehen die Onlinedienste, weil der Router keinen Strom hat. Dann die Warn-Apps, sobald der Mobilfunkmast seine Notstromreserve aufgebraucht hat. Cell Broadcast hängt an derselben Infrastruktur. Digitale Anzeigetafeln waren nie eine Option für die eigene Wohnung. Übrig bleiben Sirenen und der Rundfunk. Die Sirene erreicht dich ohne jedes Gerät, das ist ihre Stärke – aber sie transportiert genau eine Information. Ein einminütiger auf- und abschwellender Heulton bedeutet: Warnung, Radio einschalten – welche Töne es sonst noch gibt und was sie heißen, steht beim Bundesweiten Warntag. Sie sagt dir, dass etwas ist, nicht was. Die Antwort darauf kommt über den Rundfunk, und ohne Empfänger endet die Kette an dieser Stelle.
Und der bleibt tatsächlich: Öffentlich-rechtliche Sender können auch bei längerem Stromausfall weitersenden. Deshalb empfiehlt das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ausdrücklich ein batteriebetriebenes Radio, um die Mitteilungen der Behörden verfolgen zu können. Wie sich Kommunikation im Ausfall darüber hinaus organisieren lässt, steht im Beitrag zur Kommunikation ohne Strom.
Vier Wege, an Strom zu kommen – und warum du mehrere brauchst
Der Name „Kurbelradio" führt in die Irre. Die Kurbel ist nicht der Betriebsmodus, sondern eine von mehreren Energiequellen, und sie ist die letzte in der Reihe.
Die Kurbel. Beim Kurbeln treibt deine Hand einen Dynamo an. Der erzeugt Strom und lädt einen eingebauten Akku, aus dem das Gerät danach weiterläuft. Du kurbelst also nicht während des Hörens – du lädst. Das ist die Quelle, die niemals versiegt, aber die anstrengendste.
Das Solarpanel. Kostet keine Mühe und lädt unbeaufsichtigt, liefert aber im Winterhalbjahr wenig – also genau dann, wenn großflächige Ausfälle am wahrscheinlichsten sind. Als alleinige Quelle zu schwach, als Ergänzung wertvoll.
Batterien. Die zuverlässigste Quelle, solange der Vorrat reicht: sofort einsatzbereit, lagerfähig, kein Ladevorgang nötig. Ihr Nachteil ist, dass sie endlich sind – und dass genau sie im Ernstfall gern fehlen.
USB. Im Alltag der bequemste Weg, das Gerät vollzuhalten. Im Ausfall nur brauchbar, wenn du eine geladene Powerstation oder Powerbank hast.
Der Punkt ist nicht, welche dieser Quellen die beste ist. Der Punkt ist, dass sie unterschiedlich versagen. Batterien gehen zur Neige, die Sonne scheint nicht, die Steckdose ist tot – aber alle drei gleichzeitig auszufallen ist unwahrscheinlich, und die Kurbel funktioniert auch dann noch. Ein Gerät mit nur einer Quelle ist kein Notfallradio, sondern ein Radio.
Sechs Kriterien für den Kauf
1. Mehrere Energiequellen. Mindestens Kurbel plus eine weitere. Geräte mit Kurbel, Solar, Batterie und USB decken alle Fälle ab.
2. UKW und DAB+. DAB+ liefert dort, wo es verfügbar ist, den stabileren Empfang. UKW ist flächendeckender und stellt geringere Ansprüche an das Signal. Ein Gerät, das beides kann, muss sich nicht entscheiden.
3. Batteriefach. Klingt altmodisch, ist aber die einzige Quelle, die sofort und ohne Vorbereitung funktioniert. Ein Gerät ohne Batteriefach zwingt dich, erst zu kurbeln, bevor du überhaupt etwas hörst.
4. USB-Ladefunktion. Für eine Notladung des Handys – ein Telefonat, eine Nachricht. Als Ersatz für eine Powerbank taugt sie nicht, das sollte man nicht erwarten.
5. Licht. Viele Modelle haben eine LED integriert. Kein Kaufgrund, aber ein sinnvoller Nebeneffekt: Ein Gerät, das man ohnehin griffbereit hat, darf auch leuchten. Die eigentliche Lichtversorgung steht im Beitrag zur Taschenlampe für den Stromausfall.
6. Bedienbarkeit im Dunkeln. Ein Sendersuchlauf, den man nur über ein Display bedient, ist nachts im stromlosen Wohnzimmer unbrauchbar. Tasten, die man ertasten kann, sind mehr wert als eine Funktion mehr.
Die beiden Geräte im Vergleich
| POWERplus Bison DAB+ | Freeplay Encore Player | |
|---|---|---|
| Geeignet für | Warnungen und Nachrichten im Inland | Empfang auch jenseits der Landesgrenzen |
| Empfang | DAB+ und FM | Weltempfänger |
| Energiequellen | Solar, Dynamo, USB | Solar, Dynamo |
| Zusatzfunktionen | Bluetooth, LED, Powerbank, Alarm | Handy-Ladegerät, MP3-Player, Rekorder |
| Preis | Aktuellen Preis prüfen* | Aktuellen Preis prüfen* |
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Laufzeiten pro Kurbelminute nennen beide Hersteller unterschiedlich und unter unterschiedlichen Bedingungen – wir geben hier keine Zahl an, die im Ernstfall nicht stimmt. Die aktuellen Angaben stehen auf der jeweiligen Produktseite.
Für Warnungen im Inland: POWERplus Bison DAB+
Das Gerät deckt den Fall ab, um den es den meisten geht: amtliche Meldungen und Nachrichten hören, solange der Strom weg ist. DAB+ und FM zusammen bedeuten, dass du nicht darauf angewiesen bist, welche Empfangsart in deiner Gegend gerade trägt.
Stärken: beide Empfangsarten, drei Energiequellen, dazu Powerbank-Funktion und Licht in einem Gehäuse. Schwächen: Die Fülle an Funktionen bringt Bedienelemente mit sich, die man im Dunkeln erst finden muss. Für wen nicht: Wer ein möglichst einfaches Gerät will, das nur eine Sache tut, ist hier überversorgt.
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Für Empfang über die Grenze hinaus: Freeplay Encore Player
Als Weltempfänger deckt dieses Gerät den Fall ab, in dem die inländische Versorgung selbst betroffen ist. Dazu kommen Handy-Ladefunktion, MP3-Player und Rekorder – Funktionen, die im Alltag mehr nützen als im Ausfall, das Gerät aber zu einem machen, das man tatsächlich benutzt statt es im Schrank altern zu lassen.
Stärken: Weltempfang, solar- und dynamobetrieben, im Alltag nutzbar. Schwächen: kein DAB+, damit fehlt die Empfangsart, die im Inland zunehmend den Standard stellt. Für wen nicht: Wer ausschließlich deutsche Sender hören will, bekommt beim anderen Gerät mehr Empfangssicherheit.
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Wann sich ein Notfallradio nicht lohnt
Wenn die Grundlagen fehlen. Wasser, Vorrat und Licht kommen vor der Information. Wer noch keine Taschenlampe mit Ersatzbatterien im Schrank hat, kauft besser dort zuerst. Was ins Notgepäck gehört, steht in der Liste unter Was gehört in einen Fluchtrucksack.
Wenn du ein reines Küchenradio suchst. Für den täglichen Gebrauch am Frühstückstisch sind normale DAB+-Radios besser und günstiger. Die Notfallgeräte zahlen ihren Aufpreis in Unabhängigkeit, nicht in Klang.
Wenn du es nach dem Kauf wegräumst. Ein Gerät, das zwei Jahre in einer Schublade liegt, hat einen leeren Akku und womöglich ausgelaufene Batterien. Ein Notfallradio muss man gelegentlich benutzen, damit es im Ernstfall funktioniert. Was im Blackout in den ersten Stunden zählt, steht im Überblick zum Blackout.
So haben wir ausgewertet
Grundlage sind die Vorsorgeempfehlungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, Darstellungen des behördlichen Warnmittelmixes sowie veröffentlichte Kaufratgeber zu Notfallradios. Die Funktionsweise des Dynamos und die Ausstattungsmerkmale stammen aus diesen Quellen.
Die beiden Geräte haben wir nicht in der Hand gehabt. Ihre Ausstattung geben wir so wieder, wie der Anbieter sie ausweist – Empfangsarten, Energiequellen, Zusatzfunktionen. Was wir bewusst nicht nennen: Laufzeiten, Kurbelverhältnisse und Reichweiten. Zu diesen Werten liegen uns keine belastbaren Angaben vor, und eine geschätzte Zahl wäre im Ernstfall schlimmer als gar keine. Preise nennen wir nicht, weil sie sich schneller ändern als der Artikel.
Häufige Fragen
Warum ein Radio, wenn ich Warn-Apps habe?
Warn-Apps brauchen Mobilfunk und einen geladenen Akku, beides fällt bei längerem Stromausfall aus. Der Rundfunk bleibt: Öffentlich-rechtliche Sender können auch bei längerem Ausfall weitersenden. Deshalb steht das Radio in jeder amtlichen Empfehlung.
Wie funktioniert ein Kurbelradio?
Beim Kurbeln treibt die Hand einen Dynamo an. Der erzeugt Strom und lädt einen eingebauten Akku, aus dem das Gerät anschließend weiterläuft. Kurbeln ist also Laden, nicht Betreiben.
Brauche ich DAB+ oder reicht UKW?
Beides. DAB+ liefert dort, wo es verfügbar ist, den stabileren Empfang; UKW ist flächendeckender und anspruchsloser. Geräte mit beiden Empfangsarten decken beide Fälle ab.
Kann ich damit mein Handy laden?
Manche Modelle haben eine USB-Ladefunktion. Als Notladung für ein Telefonat taugt sie, als Ersatz für eine Powerbank nicht.
Fazit: Das Gerät, das du hoffentlich nie brauchst
Ein Notfallradio ist die billigste Versicherung in der ganzen Vorsorge – und die einzige, die dir sagt, wie lange die Lage noch dauert. Achte auf mehrere Energiequellen und auf beide Empfangsarten, alles Weitere ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.
Und leg Batterien dazu. Die Kurbel ist die letzte Reserve, nicht der Normalbetrieb: Wer im Dunkeln erst zwei Minuten kurbeln muss, bevor er etwas hört, greift beim zweiten Mal nicht mehr danach.